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Hundebesuch am Grambker See

„Snoopy!“ lockt Frau H. und streckt den Arm nach Jule aus, einen der zwei Riesenpudel, die regelmäßig zu Besuch in der Heimstätte am Grambker See sind. Trainerin Ina Kirsanovs kommt regelmäßig mit Jule und Cosima zu Besuch, und die pflegebedürftigen Damen und Herren freuen sich schon immer sehr auf die flauschigen Gäste.

Die Tiere aktivieren die Menschen, lockern den Tag auf und sorgen für Abwechslung. Lieb und gut erzogen wie sie sind, machen sie alles mit — denn sie wissen ja, dass es reichlich Belohnungen gibt. So hören sie (meistens) aufs Wort. „Snoopy“ ist eins der Wörter, die die Trainerin den Anwesenden beigebracht hat. Es bedeutet „Komm her und lass dich von mir streicheln“. Es gibt auch das Gegenteil: „Abstand!“ mit einer abwehrenden Geste bedeutet, dass der Hund nicht näher kommen soll. So können alle — Mensch wie Hund — in jeder Situation selbst entscheiden, wieviel Nähe jetzt gut ist.

Bei jedem Besuch gibt es ein Tagesthema, um das sich der Nachmittag dreht. An diesem Septembertag ist das Thema Urlaub. Ina Kirsanovs zeigt allen großformatige Fotos vom gemeinsamen Urlaub mit den Hunden an der Ostsee. Es gibt viel zu erzählen, eigene Urlaubserinnerungen werden bei einigen geweckt, man kommt ins Gespräch.

Auch motorisch wird die Gruppe gefordert. Die Hunde werden aufgeregt, denn sie kennen den nächsten Programmpunkt schon. Kleine Beutel mit Leckerli sollen von den Damen und Herren versteckt und von Jule und Cosima erschnüffelt werden. Die Leckerli winken als Belohnung. Die Betreuungskräfte helfen mit dem Verstecken, dann entsteht hektisches Gewusel, und am Ende sind alle Beutel gefunden und leergefuttert, Aufgabe erfüllt!

Die Trainerin hat zwei Rollen Toilettenpapier mitgebracht, Jule und Cosima warten gespannt ab, sie wissen schon wieder, was kommt. Die Menschen bekommen die Aufgabe, die Hundeleckerli in den Rollen zu verstecken, bis beide gut gespickt sind. Die Betreuungskräfte Andrea und Moreno helfen dabei. Dann dürfen sich Jule und Cosima je auf eine Rolle stürzen, und Ina Kirsanovs nimmt die Zeit: Wer schafft es am schnellsten, alle Leckerli aus der Rolle zu fressen? Manche der Anwesenden fiebern mit ihrem Lieblingshund mit.

Noch einige weitere Aufgaben stellt die Trainerin Hunden und Menschen an diesem Nachmittag, der wie immer abwechslungsreich ist und für viel Freude sorgt. Tiere tun Menschen gut, und gerade, wenn vieles andere aus dem gewohnten Alltag wegfällt, können sie dafür sorgen, dass der Mensch sich lebendig und verbunden fühlt. Dass diese Nachmittage regelmäßig in der Heimstätte Grambke stattfinden, haben wir einer der Bewohnerinnen zu verdanken, die die Hundebesuche bereits aus einer anderen Einrichtung kannte und sich dafür im Sozialwerk stark gemacht hat: „Erst wollten sie das nicht und lehnten es ab. Aber ich hab nicht locker gelassen!“, verriet Frau K. lachend. Gut, dass sie sich durchgesetzt hat.

Urlaubsfotos werden gezeigt

Urlaubsfotos werden gezeigt

Brav und neugierig: Jule und Cosima

Brav und neugierig: Jule und Cosima

Klorollen-Spiel

Klorollen-Spiel

Streicheln tut gut — allen

Streicheln tut gut — allen

 

Lernend lehren: Zwei Pflegekräfte sind jetzt Kinästhetik-Peer-Tutorinnen

„Wenn ich vorher gewusst hätte, wie intensiv diese Weiterbildung ist, hätte ich sie vielleicht nicht gemacht, aber nun bin ich froh und stolz, es geschafft zu haben.“ So oder so ähnlich äußerten sich unsere beiden Pflegefachkräfte und Praxisanleiterinnen der Heimstätten, Irina und Lucie, nachdem sie am 6. März ihre Ausbildung mit einer 10-minütigen Präsentation im St.-Joseph-Stift abschlossen. Die erfahrene Kinästhetik-Trainerin Rita Wolf hatte den Kurs begleitet.

Ich war sehr beeindruckt von den Präsentationen der Teilnehmerinnen und schnell vom Sinn der Methode überzeugt. Aber: Was ist überhaupt Kinästhetik? Das Wort setzt sich aus den griechischen Worten für Wahrnehmung oder Erfahrung und Bewegung zusammen. In der Pflege sollen immobile Menschen dazu angeregt werden, selbst aktiv an einer Bewegung mitzuwirken, statt sich passiv z.B. vom Bett in den Rollstuhl transportieren zu lassen. Dies fördert ihre Beweglichkeit und Selbstwahrnehmung und entlastet die Pflegenden, die häufig unter Rückenschmerzen oder anderen Muskel- und Skeletterkrankungen leiden.

Und wie soll das gehen? Belastende und ruckartige Bewegungen werden vermieden. Die Tutorinnen haben gelernt, Bewegungsmuster und –abläufe zu erkennen und bestimmte Körperstellen der Pflegebedürftigen zu nutzen, um sie zu Eigenbewegungen anzuregen. So machen Letztere positive eigene Erfahrungen, die sie motivieren, selbstständiger zu agieren.

Auch die Gestaltung der Umgebung der Pflegebedürftigen wird in den Blick genommen: Wieviel Platz brauche ich, wo stelle ich Hilfsmittel hin, wie und wo stehe oder sitze ich? Und wie kommuniziere ich mit den Pflegebedürftigen?

Kinästhetik erleichtert die  Mobilisation und fördert die Gesundheit von Pflegenden und Bewohnern und Bewohnerinnen. Diese Methoden zu erlernen erfordert ein Umdenken, die Wahrnehmung des eigenen Körpers muss geschult und geübt werden. Auch Geduld und gute Vermittlung der Methoden sind wichtig.  Aber alle Teilnehmerinnen konnten von Erfolgen berichten, ob von der Intensivstation oder in der Pflege. Die Angst, dass die Pflege dadurch zu lange dauern würde, ist unbegründet.

Was können unsere frisch geschulten Peer-Tutorinnen („lernende und gleichzeitig lehrende Tutorinnen“) mit ihrer Ausbildung anfangen?

Sie haben einen Grund- und Aufbaukurs bei Rita Wolf als Trainerin erfolgreich absolviert und danach die Qualifizierung zur Peer-Tutorin erworben. Sie können nun ihre eigenen Bewegungs- und Anleitungskompetenzen in sinnvolle Lernschritte umsetzen und die alltägliche Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen individuell gestalten, deren vorhandene Kompetenzen stärken. Und als Praxisanleiterinnen für unsere Auszubildenden und in ihren Teams können sie in kleinen Schritten Anregungen für eine veränderte innere und äußere Haltung geben. Pflegekräfte und unsere Bewohner und Bewohnerinnen werden gemeinsam lernen und sich über ihre Erfolge freuen. Allerdings müssen auch die Führungskräfte die Tutorinnen dabei unterstützen, beim Lernen, Umsetzen und Finanzieren.

Vielleicht haben unsere Tutorinnen Lucie Vespermann und Irina Klötzing dann Lust, auch noch die Weiterbildung zur Trainerin zu machen.

Vera Strech, Heimstätte Ohlenhof