Tischlerin Carla
Tadaaa!, sie hat alle Prüfungen bestanden und ist jetzt Tischlergesellin — Herzlichen Glückwunsch, Carla! Tischler und Ausbilder Nico, Hans und Michael und alle Kollegen sind stolz und freuen sich, — auch über das gelungene Gesellinnenstück, Carlas Phonomöbel RetroRille.
Ihre Ausbildung zur Tischlerin hat Carla in unserer Tischlerei, der ArBiS-Werkstatt Holz und Ideen, gemacht. Wie kam es zu dieser Wahl? Eigentlich checkte sie damals nur die Ausbildungsangebote, sagt sie, und ist über die Ausschreibung der ArBiS gestolpert. Dass neben dem Erlernen des Handwerks auch die Zusammenarbeit mit psychisch erkrankten Kollegen in Aussicht gestellt wurde, machte sie neugierig. Ihre Eltern, beide erfahrene Pflegekräfte, hatten sie zwar vor den Arbeitsbedingungen in der Pflege gewarnt, aber das hier war etwas ganz anderes.
In den drei Jahren hat sie viel gelernt, eben auch zwischenmenschlich. Carla gehörte nicht zu den Betreuungskräften, musste sich aber schon auf das besondere Arbeitsklima einstellen und auf Kollegen, die vielleicht manchmal sehr direkt und dann wieder sehr verletzlich reagieren. Sie fand schnell heraus, wie die anderen so ticken, und genoss besonders die Momente, in denen geflachst und gelacht wurde. Dass sie die einzige Frau im ganzen Team war, spielte weiter keine Rolle, sagt sie, außer dass ihr bei schweren Lasten immer Hilfe angeboten wurde.
Es war also eine gute Ausbildung? Ja, schon, meint sie, allein die Ausstattung ist hier besser als in mancher größeren Schreinerei. Aber sie hätte gerne mehr mit echtem Holz gearbeitet. Tischler und Tischlerinnen stellen heute die meisten Möbel und Einrichtungen aus Platten her, die von gewachsenem Holz weit entfernt sind. Es ist auch noch nicht klar, wie und wo es jobmäßig mit Carla hingeht. Jetzt braucht sie erst einmal ein paar Monate Freiheit und Luft zum Atmen.
Denn die Prüfungsphase war hart. Wochenlang stand sie unter krasser Doppelbelastung, denn neben ihrem normalen Vollzeitjob musste sie für die Prüfung lernen und vor allem das Gesellen- bzw. Gesellinnenstück abliefern. Der Stoff in der Berufsschule konzentriert sich zwar im letzten halben Jahr auf Handprobe und Gesellenstück, aber das meiste muss doch in der Freizeit gemacht werden. Allein die Konstruktionszeichnung des Phonomöbels hat 50 Stunden beansprucht, und die letzten Wochenenden hat Carla in der Tischlerei durchgearbeitet. Offiziell gibt man den Azubis gerade mal 2 1/2 Wochen Zeit, um das Stück fertigzustellen — Das schafft kein Mensch, ist sie sich sicher.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, und Carla kann stolz auf sich sein. Nach einer langen Anstrengung hat die frischgebackene Tischlergesellin jetzt mit ihrem Brief in der Tasche jede Menge Möglichkeiten, ihre Zukunft zu gestalten. Wird sie das Team aus der Werkstatt vermissen? Klar, keine Frage. Und ihre Kollegen vermissen sie jetzt schon.

Tischlerin Carla

Bestanden!

Carlas schickes Phono-Möbel, die RetroRille.

Die Schreinerei der ArBiS bietet mehr Platz und bessere Ausstattung als viele andere Ausbildungsbetriebe, hat Carla festgestellt.

Carla und Kollegen mit Leonardo-Brücke, einer selbsttragenden Bogenkonstruktion nach Leonardo da Vinci

Carla testet, ob die Leonardo-Brücke hält, die Kollegen schauen zu. Die Brücke lässt sich zusammengeklappt transportieren, so wollte es der Kunde.

Viel Arbeit hat Carla in ihr Gesellinnenstück investiert.

Inventur-Herzchen von Carla: Bei der letzten Inventur erhielt jedes gezählte Stück ein Herz.













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